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BeitragVerfasst: 13.04.2011, 20:34 
Lateiner

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Acis und Galatea (XII, 750-897)


Acis war von Faunus und der Nymphe Symaethis gezeugt worden, seinem Vater und der Mutter war er gewiss große Freude, für mich war er trotzdem die noch größere; denn er hatte mich mit sich als einzigem verbunden.Schön und gerade den 16. Geburtstag gefeiert hatte er die zarten Wangen mit zögerlich wachsendem Bartflaum versehen. Der Zyklop suchte mich unablässig, ich diesen. Und ich könnte nicht preisgeben, wenn dufragtest, ob Hass auf den Zyklopen oder Liebe zu Acis in mir stärker war: Beides war gleich. Ach! Wie groß ist die Macht deines Reiches, gütige Venus! Jener, der allerdings unsanft und Wäldern selbst schrecklich war und von keinem Fremden ungestraft gesehen wurde und der Verächter des großen Olymp mit den Götter war, fühlt, was Liebe ist, und wird von starker Begierde verbrannt und vergaß sein Vieh und die Höhlen. Und schon hast du die Sorge der Schönheit und schon die Sorge zu gefallen, schon kämmst du die borstigen Haare mit Hacken, Polyphem, schon gefällt es dir, den stacheligen Bart mit einer Sense zu stutzen und dein wildes Gesicht im Wasser anzusehen und zu ordnen. Die Liebe zum Mord, die Wildheit und der unermessliche Blutdurst setzen aus, und die Schiffe kommen als sichere und fahren weg.
Telemus, der inzwischen zum sizilischen Aetna verschlagen wurde, Telemus, der Sohn des Eurymides, den kein Vogel getäuscht hatte, kam zu Polyphem und sagte: „Das einzige Auge, das du in der Mitte der Stirn trägst, wird dir Odysseus rauben.“ Er lachte und sagte: „O dümmster der Seher, du täuschst dich. Eine andere hat es schon geraubt.“ So verschmäht er den, der vergeblich Wahres warnt und beschwert entweder den Strand, als er mit gewaltigem Schritt geht, oder kehrt ermüdet in die finstere Höhle zurück. Ein keilförmiger Hügel mit langer Spitze ragt vor in das Meer und die andere Seite umfließt die Welle des Meeres: Der wilde Zyklop steigt hierhin und setzt sich in der Mitte hin; das Wolle tragende Vieh folgt, von keinem geführt. Nachdem ihm die Fichte, die ihm den Gebrauch eines Stocks gab, geeignet, Rahen zu tragen, vor die Füße gelegt worden war und die Flöte, von hundert Schilfrohren zusammengefügt, genommen worden war, fühlten die ganzen Berge das Hirtenpfeifen, die Wellen fühlten es; ich habe von meinem Felsen verdeckt und sitzend im Schoß meines Acis mit meinen Ohren solche Worte gehört und sie mit meinem Geist bemerkt:
Galatea, weißer als das Blatt des schneeweißen Liguster, blühender als Wiesen, bei weitem schlanker als die Erle, glänzender als Glas, mutwilliger als ein junges Böckchen, glatter als die vom ständigen Meer gewaschenen Muscheln, angenehmer als die Sonne im Winter, als der Schatten im Sommer, beweglicher als ein Reh, sichtbarer als eine hohe Platane, leuchtender als Eis, süßer als eine reife Traube, sowohl weicher als die Flaumfedern eines Schwans als auch als geronnene Milch und, wenn du nicht fliehst, schöner als ein bewässerter Garten; dieselbe Galatea, wilder als ungezähmte, junge Kühe, härter als eine bejahrte Eiche, trüglicher als Wellen, sowohl zäher als die Zweige einer Wieder als auch als weiße Weinreben, unbeweglicher als diese Bergspitzen, wilder als ein Fluss, stolzer als ein gelobter Pfau, schärfer als Feuer, rauer als ein Dorn, unfreundlicher als ein trächtige Bärin, tauber als das Meer, unsanfter als eine getretene Wasserschlange und, was ich dir vor allem abnehmen können will, nicht nur flüchtiger als ein Hirsch von hellem Bellen gejagt, sondern auch als der Wind und fliegende Luft, wenn du mich aber gut kennen dürftest, verdrieße es dich, geflohen zu sein und du verdammtest selbst deine Verzögerungen und bemühtest dich mich festzuhalten.
Der Teil des Berges gehört mir, eine hängende Höhle in begrüntem Fels, in der weder Sonne mitten im Sommer gefühlt wird, noch wird der Winter gefühlt; es gibt Äpfel, die die Äste beschweren, es gibt ‚Trauben ähnlich Gold an langen Ästen, es gibt auch Purpurne: Dir bewahre ich sowohl diese als auch jene. Du wirst selbst mit deinen Händen weiche Erdbeeren unter bewaldetem Schatten auflesen, du wirst selbst herbstliche Kirschen und Pflaumen, nicht nur vom dunklen Saft gebläut, sondern auch edle, die in ihrem Aussehen frisches Wachs nachahmen. Und dir werden als meiner Gatten weder Kastanien noch Arbutusfrucht fehlen: Jeder Baum wird dir dienen. Dieses ganze Vieh gehört mir, viele Ziegen irren auch in den Tälern, viele bedeckt der Wald, viele werden in Höhlen untergebracht, und ich könnte dir wohl nicht sagen, wie viele es sind, wenn du zufällig fragtest: Es ist ärmlich, Vieh zu zählen; glaubst du mir wohl nichts über das Lob dieser, kannst du selbst gegenwärtig sehen, wie sie kaum mit den Beinen das strotzende Euter umgehen können. Es gibt Lämmer in lauen Ställen, eine kleinere Zucht. Es gibt auch gleichaltrige Böcke in anderen Ställen. Ich habe immer weiße Milch: Ein Teil davon wird zum Trinken aufgehoben, einen Teil macht flüssig gemachtes Lab hart. Und dich werden nicht nur leichtes Vergnügen und einfache Geschenke erreichen, Rehe, Hasen und ein Böckchen oder ein Nest von Tauben von einem Wipfel genommen: Ich habe zwei Junge einer zotteligen Bärin auf den höchsten Bergen gefunden, die mit dir spielen können, untereinander gleich, sodass du sie kaum unterscheiden kannst: Ich habe sie gefunden und gesagt: „Ich werde diese da für die Herrin aufbewahren.“ Hebe schon den glänzenden Kopf aus dem blauen Meer, schon, Galatea, komm und verschmähe meine Geschenke nicht! Sicherlich kenne ich mich und ich habe mich neulich im Spiegelbild des flüssigen Wassers gesehen, und meine Gestalt gefiel mir beim Ansehen. Sieh, wie groß ich bin: Jupiter im Himmel ist nicht größer als dieser Körper, denn ihr pflegt zu erzählen, dass irgendso ein Jupiter herrscht; sehr viel Haar ragt in das finstere Gesicht hervor und verdunkelt, wie ein Hain, die Schultern; und halte es nicht für schändlich, dass mein Körper sehr dicht vor starren Haaren erschaudert: Ein Baum ist ohne Laub schändlich, ein Pferd ist schändlich, wenn den gelben Hals keine Mähne umhüllt; Flaum bedeckt Vögel, Schafen ist ihre Wolle Zierde: Männern steht ein Bart und struppige Haare auf dem Körper. Ich habe ein einziges Auge in der Mitte meiner Stirn, aber in der Gestalt eines gewaltigen Rundschilds. Was? Sieht die große Sonne nicht dies alles vom Himmel? Dennoch hat die Sonne nur einen einzigen Kreis. Füge hinzu, dass mein Vater in eurem Meer herrscht: Ich gebe dir diesen zum Schwiegervater; erbarme dich nur und höre mein demütiges Bitten! Ich unterliege nämlich dir als einziger, und ich, der ich Jupiter verschmähe, den Himmel und den eindringenden Blitz, fürchte dich, Nereustochter, dein Zorn ist wütender als ein Blitz. Und ich wäre dieser Verachtung gegenüber geduldiger, wenn du vor allen fliehen würdest, aber warum liebst du, nachdem der Zyklop zurückgewiesen worden ist, Acis und ziehst Acis meinen Umarmungen vor? Mag jener trotzdem sich gefallen und es wird ihm erlaubt sein, was ich nicht will, dass er dir gefällt, Galatea; möge nur eine Möglichkeit gegeben werden: Er wird fühlen, dass ich entsprechend meines so großen Körpers Kräfte habe! Ich werde ihm die lebenden Eingeweide herausreißen und die zerrissenen Körperglieder über die Felder und deine Wellen verstreuen (so mag er sich mit dir vermischen). Denn ich werde verbrannt und die verletzte Flamme wallt schärfer auf, und ich scheine den mit seinen Kräften in mich übertragenen Aetna in meiner Brust zu schleppen, aber du, Galatea, lässt dich nicht bewegen.“
Als er so vergeblich geklagt hat, denn ich sah alles, erhebt er sich und kann wie ein wütender Stier, nachdem ihm die Kuh genommen worden ist, nicht stehen und irrt im Wald und bekannten Weiden Umher. Da sieht der Wilde mich und Acis, beide unwissend und so etwas fürchtend, und ruft: „Ich sehe euch und dies sei, ich werde es machen, die letzte Eintracht eurer Liebe!“ Die Stimme war so laut, wie sie ein wütender Zyklop haben musste: Der Aetna erschauderte durch das Geschrei. Ängstlich tauche ich unter das benachbarte Meer; der Sohn des Symaethus war geflohen und hatte gesagt: „Ich bitte dich, bring mir Hilfe, Galatea! Bringt mir Hilfe, Eltern! Und lasst mich, der ich sterben werde, in euer Reich!“ Der Zyklop folgt und wirft ihm einen vom Berg gerissenen Fels nach und obwohl nur die äußerste Ecke von dem Fels zu jenem gelangt, erdrückt er den ganzen Acis, aber wir haben gemacht, was nur durch das Schicksal geschehen durfte, dass Acis die Kräfte der Ahnen erhält. Das purpurrote Blut strömte unter dem Gewicht des Felsens, und innerhalb kurzer Zeit begann die Röte zu verschwinden, die Farbe wird vom ersten Regenguss des Flusses getrübt und wird allmählich gereinigt; dann bricht die geworfene Last und das lebende und schlanke Schilfrohr erhebt sich durch die Ritzen, und die Höhle des Felsen erklingt vor aufspringenden Wellen und die sonderbare Sache, plötzlich entragt den wellen bis zur Mitte des Bauches der junge Mann an das neue Geweih von Schilfrohren umwunden, der Acis war, nur größer und im ganzen Gesicht blau, aber auch so war es dennoch Acis, zum Fluss verwandelt und der Fluss behielt den alten Namen.


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