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BeitragVerfasst: 13.04.2011, 20:43 
Lateiner

Registriert: 13.04.2011, 20:30
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Der Raub der Proserpina (V, 359-571)


Dieses Unglück fürchtend hatte Pluto die Unterwelt verlassen und fuhr vom Wagen der schwarzen Pferde gezogen vorsichtig um den Untergrund Siziliens herum. Als genügend erforscht worden ist, dass kein Ort einzustürzen droht, und nachdem die Angst abgelegt worden ist, sieht diesen, während er umherstreift, die auf ihrem Berg sitzende Venus und sagte, als sie Amor umarmte: „Meine Waffen sind meine Hände, meine Macht, o Sohn! Nimm jene Geschosse, mit denen du alle überwältigst, Cupido, und schieße schnelle Pfeile in die Brust des Gottes, dem das neueste Schicksal der Dreiteilung des Reichs zugefallen ist: Du bezwingst die Götter und Jupiter selbst, du bezwingst die Gottheiten des Meeres und diesen selbst, der die Gottheiten des Meeres beherrscht: Warum fehlt Tartaros? Warum dehnst du nicht das Reich deiner Mutter und von dir selbst aus? Ein Drittel der Welt steht auf dem Spiel und trotzdem werden wir im Himmel, so geduldig wir schon geworden sind, zurückgewiesen, und mit mir werden Amors Kräfte verringert. Siehst du etwa nicht, dass Pallas und Diana sich mir entzogen haben? Auch die Tochter der Ceres wird Jungfrau bleiben, wenn wir es zulassen werden; denn sie trägt sich mit denselben Gedanken. Aber du verbinde die Göttin mit dem Onkel väterlicherseits bei unserer gemeinsamen Herrschaft, wenn diese Dankbarkeit irgendeine Dankbarkeit ist.“ So sprach Venus; jener löste den Köcher und legte dem Urteil der Mutter einen von tausend Pfeilen beiseite, aber kein Pfeil ist spitzer als dieser, keiner ist treffsicherer und keiner gehorcht dem Bogen mehr, und mit gebeugtem Knie bog er den biegsamen Bogen und schoss den mit Widerhaken versehenen Pfeil in das Herz des Pluto.
Nicht fern von den hennäischen Mauern ist ein See mit hohem Wasser mit dem Namen Pergus: Caystros hört nicht mehr Schwanengesang als dieser See in den dahingleitenden Wellen. Ein umgebender Wald umschließt die ganze Seite und hält mit seinem Laub wie mit einem Sonnensegel die Sonnenstrahlen fern. Die Äste geben Kühlunt, die feuchte Erde purpurrote Blumen: es herrscht ewiger Frühling. Während Proserpina in diesem Hain spielt und entweder Veilchen oder weiße Lilien pflückt, und während sie mit kindlicher Bemühung die Körbchen und den Gewandbausch und wetteifert, die gleichaltrigen im Sammeln zu übertreffen, wurde sie fast gleichzeitig von Pluto gesehen, geliebt und geraubt: So schnell war die Liebe: Die erschreckte Göttin ruft mit traurigem Gesicht sowohl die Mutter als auch die Gefährten, aber die Mutter öfter, und sobald der obere Saum das Kleid zerfetzt hatte, fielen die gesammelten Blumen von den herabgesunkenen Kleidern und es war so große Einfalt in den kindlichen Jahren, auch dieser Verlust bewegte den Schmerz des Mädchens. Der Räuber treibt den Wagen an und ermuntert die Pferde, indem er jedes beim Namen nennt, durch deren Hälse und Mähnen er die dunkelbraunen Zügel schüttelt, und er führt vorüber an tiefen Seen und den vor Schwefel stinkenden Gewässern der Paliken, die aus Erdspalten brodeln und wo die Bacchiden, ein an zwei Meeren in Korinth angesiedeltes Geschlecht, zwischen ungleich großen Häfen Mauern gebaut haben. Es gibt eine Bucht in der Mitte von Cyane und dem aus Pisa stammenden Arethusa, die sich von engen Landspitzen eingeschlossen verengt: Hier wohnte Cyane, die berühmteste unter den sizilischen Nymphen, mit deren Namen auch das Gewässer benannt wurde. Diese stand mitten in der Flut mit dem Oberkörper und erkannte die Göttin. Sie sagte: „Geht nicht weiter! Du kannst nicht gegen den Willen der Ceres ihr Schwiegersohn sein. Es muss gefragt, nicht geraubt werden. Sofern es mit erlaubt ist, Kleines mit Großem zu vergleichen, auch mich liebte Anapis; ich habe ihn trotzdem angefleht und nicht, wie diese, heftig erschrocken geheiratet.“ Sie sprach und stand die Arme in verschiedene Richtungen ausstreckend entgegen. Saturn hielt den Zorn nicht länger zurück und trieb die furchtbaren Pferde mitten in die Tiefe an und schwang das Königszepter mit dem kräftigen Oberarm. Schwer getroffen machte die Erde eine Straße in die Unterwelt frei und nahm den hinabjagenden Wagen in der Mitte des Abgrunds auf.
[...]
[438] Inzwischen wurde die Tochter vergeblich in allen Ländern und in jedem Meer von der ängstlichen Mutter gesucht. Aurora sah jene nicht rastend, während sie mit nassen Haaren kam, Hesperus nicht; jene zündete mit zwei Händen leuchtende Fackeln am Ätna an und trug sie rastlos durch kühle Finsternis; sooft ein heiterer Tag wieder die Sterne verdunkelt hatte, suchte sie die Tochter vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne. Es würde lange dauern, zu sagen, durch welche Länder und durch welche Gewässer die Göttin irrte. Der suchenden war kein Land mehr übrig. Sie sucht Sicania wieder auf und während sie zu Fuß wieder alles durchwandert, kommt sie auch zu Cyane. Wenn diese nicht verwandelt gewesen wäre, hätte sie alles erzählt; aber sowohl der Mund als auch die Zunge waren nicht da, um es der Fliegenden zu sagen und sie hatte nicht, wodurch sie sprach; sie gab trotzdem deutliche Zeichen und sie zeigte den der Mutter bekannten Gürtel der Persephone, der zufällig in den heiligen Abgrund hinunter geglitten war, in den Wellen. Diesen erkannte sie zugleich, wie wenn sie dann schließlich erkannt hätte, dass die Tochter geraubt worden war, zerfetzte die Göttin die ungeschmückten Haare und schlug wiederholt mit ihren Handflächen auf die Brust. Bis jetzt weiß sie nicht, wo die Tochter ist; sie tadelt trotzdem alle Länder und nennt sie undankbar und dem Geschenk der Früchte nicht würdig, Trinacria vor allen anderen, wo sie die Spuren des Verlusts fand. Also zerbrach sie dort mit wütender Hand Erdschollen wendende Pflüge, und weihte zornig Bauern und das Feld bebauendes Vieh dem Tod und befahl dem Ackerland, nicht aufzugehen und vernichtete die Samen. Die allgemein bekante Fruchtbarkeit der Erde steht auf der ganzen Welt als Lügnerin da: Beim ersten Aufkeimen sterben die Saaten und bald rafft sie zuviel Sonne, bald zu viel Regen dahin; sowohl Sterne als auch Winde schaden, und gierige Adler lesen die gefallenen Samen auf; Lolch und Burzeldorn und unausrottbares Unkraut überwuchern die Weizenernten.
Dann kam die aus Elis kommende alpheische Nymphe aus dem Wasser und strich die triefenden Haare aus dem Gesicht zu den Ohren zurück und sagte: „O Mutter des auf der ganzen Welt gesuchten Mädchens und der Fruchtbarkeit, beende deine unermesslichen Anstrengungen und zürne nicht der dir heftig treu ergebenen Erde. Die Erde hat nichts verschuldet und sie verschloss sich gegen den Raub, und ich bitte nicht demütig für die Heimat: Ich bin als Gast hierher gekommen. Pisa ist meine Heimat und ich stamme aus Elis, ich wohne als Fremde in Sicania, aber dieses Land ist mir lieber als jeder Grund: Arethusa hat nun diese Penaten, diese halte ich für den Sitz. Verschone du diese, Gütigste! Es wird die geeignete Stunde dafür kommen, dir zu erzählen, warum ich die Heimat verlassen habe und durch die Wogen des so großen Meeres nach Ortygia gelangte, wenn du von der Sorge befreit und dein Gesicht fröhlicher sein wird. Die sich öffnende Erde gibt mir einen Weg und unter die untersten Höhlen hin weggespült hebe ich hier meinen Kopf empor und sehe die fremd gewordenen Sterne. Während ich also in der Tiefe des Styx unter der Erde dahin gleite, wurde deine Proserpina von meinen Augen dort gesehen: Jene war freilich traurig und bis jetzt nicht mit unerschrockenem Gesicht, aber trotzdem als Königin, aber als Größte der Unterwelt, aber die herrschende Frau des unterirdischen Tyrannen!“
Die Mutter stutzte zu den gehörten Worten wie versteinert und war lange wie vom Donner gerührt, und sobald die schwere Betäubung von schwerem Schmerz vertrieben wurde, ging sie mit den Wägen in die Lüfte: Dort stand sie das ganze Gesicht umwölkt und voller Hass mit fliegenden Haaren vor Jupiter und sagte: „Ich bin demütig bittend gekommen, um für mein Blut und deines zu bitten, Jupiter: Wenn die Dankbarkeit für eine Mutter nichts wert ist, bewege die Tochter den Vater, und die Sorte um jene sei dir nicht weniger wert, weil ich sie zur Welt gebracht habe. Siehe da, die von mir lange gesuchte Tochter wurde endlich wieder gefunden, wenn du verlieren sicherer nennst zu finden, oder zu wissen, wo sie ist. Ich werde verzeihen, dass die Tochter geraubt wurde, wenn er sie nur zurückgibt! Deine Tochter wäre nicht einmal für einen Räuber als Ehemann würdig, wenn auch meine Tochter es wäre.“
Jupiter antwortete: „Liebespfand und Last ist mir die Tochter zusammen mit dir; aber wenn es gefällt den Taten nur wahre Namen zu geben, wurde dies nicht durch Unrecht getan, sondern durch Liebe; und jener Schwiegersohn wird uns keine Schande machen, nur du, Göttin, willst es. Wenn nur die übrigen Vorzüge fehlen, wie viel ist es wert, Jupiters Bruder zu sein! Warum sagst du, dass übrige Vorzüge weder fehlen, noch mir nur durch das Los nachstehen? Aber wenn deine Gier nach einer Scheidung so groß ist, wird Proserpina in den Himmel zurückkehren, nur unter der Bedingung, dass sie dort keine Speisen zu sich nahm; Denn so ist es vom Rat der Parzen angeordnet.“
Er hatte gesprochen, aber Ceres ist sich sicher, die Tochter herauszuführen; das Schicksal lässt es jedoch nicht so zu, weil das Mädchen die Fasten gebrochen hatte und, während sie naiv in den Gärten irrte, einen Granatapfel von einem gebogenen Baum abgepflückt und sieben Kerne von der grünlichen Schale zerkaut hatte.
[…]
[565] Aber als Vermittler zwischen seinem Bruder und der traurigen Schwester teilt Jupiter ein sich drehendes Jahr in gleiche Teile: Nun ist die Göttin, die gemeinsame Gottheit von zwei Reichen, ebenso viele Monate bei der Mutter, ebenso viele bei dem Gatten. Sofort ändert sich sowohl das Gesicht als auch die Stimmung, denn das Gesicht der Göttin, die gerade sogar Pluto traurig scheinen konnte, ist fröhlich wie die Sonne, die vorher von Regenwolken bedeckt war und aus den besiegten Wolken hervortritt.


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