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 Betreff des Beitrags: Isidorus, Sententiae 1,1,1-1,2,2
BeitragVerfasst: 06.04.2012, 18:06 
Lateiner

Registriert: 22.03.2012, 17:23
Beiträge: 54
I. Quod Deus summus et incommutabilis sit.

1.1. Summum bonum Deus est, quia incommutabilis est et corrumpi omnino non potest. Creatura uero bonum, sed non summum est, quia mutabilis est ut, dum sit quidem bonum, non tamen esse potest et summum.

1.2. Quid est Dei inmortalitas, nisi eius incommutabilitas? Nam et angeli et animae inmortales sunt, sed inmutabiles non sunt. Ideoque solus Deus dicitur inmortalis quia solus incommutabilis. Nam anima moritur, dum, deserente Deo, de bono in malum mutatur. Sic et angelus, dum, deserente Deo, est lapsus.

1.3. Quod materiam habet unde existat, mutabile est, quia de informi ad formam transit. Quod uero non habet materiam, inmutabile est, sicut Deus utique est. Bene ac substantialiter sunt ista in Deo, id est incorruptio, inmortalitas, incommutabilitas. Inde et merito cunctae praeponitur creaturae.

1.4. Opus, non consilium apud Deum mutari, nec uariari eum quia per uaria tempora diuersa praecepit; sed manens idem incommutabilis et aeternus, quid cuique congruum esset tempori ab ipsa aeternitate in eius mansit disputatione consilii.

1.5. Non usu nostro aliud Deum putari, aliud pulchritudinem eius, atque aliud magnitudinem ipsius, sicut aliud est homo, aliud pulchritudo, quia, desistente pulchritudine, homo manet. Ac per hoc, qui ita intellegit Deum, corporeum esse credit, dum pulchritudo et magnitudo Dei ipse Deus sit.

1.6a. Ideo Deus dicitur simplex, siue non amittendo quod habet, seu quia non aliud est ipse et aliud quod in ipso est.

1.6b. Inordinate dici seu conferri uitiis ea quae ordinate in Deo sunt, utpote simplicitas, quae aliquando dicitur pro stultitia, et non est. Apud Deum uero summa simplicitas est. Iuxta hanc regulam et cetera aestimanda sunt.

II. Quod inmensus et omnipotens sit Deus.

2.1a. Non ideo caelum et terram implet Deus ut contineant eum, sed ut ipsa potius contineantur ab eo. Nec particulatim Deus implet omnia, sed cum sit idem unus, ubique tamen est totus.

2.1b. Non ita putandus est esse in omnibus Deus ut unaquaeque res pro magnitudine portionis suae capiat eum, id est maxima maius, et minima minus, dum sit potius ipse totus in omnibus, siue omnia in ipso.

2.2. Omnipotentia diuinae maiestatis cuncta potestatis suae inmensitate concludit, nec euadendi potentiam eius quis aditum inuenire poterit, quia ille omnia circumquaque constringit. Cuncta enim intra diuini iudicii omnipotentiam coartantur, siue quae continenda sunt ut salua sint, siue quae amputanda sunt ut pereant. Nullatenus ergo posse effugi Deum quempiam. Qui enim non habet placatum, nequaquam euadet iratum.

I. Davon, dass Gott der höchste und unveränderlich ist.

1.1. Das höchste Gute ist Gott, weil er unveränderlich ist und überhaupt nicht zerstört werden kann. Die Lebewesen aber sind etwas Gutes, aber nicht das höchste, weil sie veränderlich sind, da sie, während sie doch freilich etwas Gutes sind, dennoch nicht auch das höchste (Gute) sein können 1.

1.2. Ist Gottes Unsterblichkeit etwas anderes als seine Unveränderlichkeit ? Denn sowohl die Engel als auch die Seelen sind unsterblich, aber nicht veränderlich. Und deshalb wird Gott allein unsterblich genannt, weil er als einziger unveränderlich ist. Denn die Seele stirbt, während sie, da Gott sie verlässt, vom Guten ins Böse umgewandelt wird. So ist auch der Engel (ins Böse umgewandelt worden), während er, da Gott ihn verlassen hat, gefallen ist2.

1.3. Was einen Grundstoff besitzt, aus dem es hervorgeht, ist veränderlich, weil es vom Ungeformten zur Form übergeht. Was aber keinen Grundstoff besitzt, ist unveränderlich, wie es vor allem Gott ist. Gut und beständig sind diese, nämlich Unzerstörbarkeit, Unsterblichkeit und Unveränderlichkeit, in Gott. Deshalb wird er auch mit Recht jedem Lebewesen vorgezogen.

1.4. Es ist unabdingbar, dass sich Gottes Pläne nicht wandeln, und (auch) er sich nicht wandelt, weil er für verschiedene Zeiten Verschiedenes vorgesehen hat3. Aber, während er unveränderlich und gleichzeitig ewig lebend bleibt, verharrt4 er in der Erörterung seines Planes, was von der Ewigkeit selbst für jede Zeit passend wäre.

1.5. Nach unserer Gewohnheit ist es nicht das eine, an Gott zu glauben, das andere, an seine Schönheit zu glauben, und (wieder) etwas anderes, an seine Größe zu glauben, wie das eine der Mensch, das andere die Schönheit ist, weil der Mensch bleibt, wenn die Schönheit aufhört. Und deshalb glaubt, wer Gott so verstehen will, dass dieser körperlich ist, während doch die Schönheit und Größe Gottes Gott selbst sind.

1.6a. Deshalb wird Gott einfach genannt, sei es, um nicht auszulassen, was er hat, sei es, weil er selbst nicht das eine, und das, was in ihm ist, das andere ist.

1.6b. Über das, was in Gott seine Ordnung hat, wird unordentlich gesprochen oder man vergleicht es mit schlechten Eigenschaften, wie nämlich die Ehrlichkeit, die manchmal an Stelle der Dummheit genannt wird, und es nicht ist5. Bei Gott aber ist die höchste Ehrlichkeit. Gemäß dieser Regel muss man auch das übrige beurteilen.

II. Davon, dass Gott unbegrenzt und allmächtig ist.

2.1a. Gott hat nicht deshalb Himmel und Erde erfüllt, damit sie ihn beherbergen, sondern damit sie eher selbst von ihm umschlossen werden. Und Gott erfüllt alles nicht zum Teil, sondern er ist, während er doch selbst (nur) ein einziger ist, dennoch überall ganz.

2.1b. Deshalb darf man nicht glauben, dass Gott in allem ist, damit ein jedes Ding ihn im Verhältnis zu seiner eigenen Größe beinhaltet, d.h. das größte Ding mehr, das kleinste Ding weniger, während er sich doch eher selbst in allem, bzw. alles in ihm befindet.

2.2. Die Allmacht seiner göttlichen Herrschaft umschließt alles mit der Unbegrenztheit seiner Macht, und wer (einmal) den Zugang gefunden hat, hat keine Möglichkeit (mehr), hinauszugehen, weil jener alles ringsherum umschließt. Alles wird nämlich zwischen der Allmacht seines göttlichen Gerichts zusammengedrängt, sei es das, was erhalten werden muss, damit es heil bleibe, sei es das, was vernichtet werden muss, damit es untergehe. Keineswegs also kann irgendjemand Gott entkommen. Wer nämlich nicht sein Wohlgefallen genießt, entkommt auf keinen Fall seinem Zorn.

1 "creatura" aus Kontextgründen pluralisch wiedergegeben. 2 Sinn: der Sturz in die Hölle ist schlimmer als der Tod 3 Für diesen Satz wurde die Mithilfe von dieter in Anspruch genommen. 4 wahrscheinlich ein im spätantiken Latein häufiger auftretendes aroistisches Perfekt 5 für diesen Satz wurde auf die Mithilfe von dieter und B4St1adFuN zurückgegriffen

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Iamque legetis, quae veteres doctores sociis nolebant pandere caris.

- Frei nach Alexander de Villedieu, Doctrinale V. 3f. -


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 Betreff des Beitrags: Re: Isidorus, Sententiae 1,1,1-1,2,2
BeitragVerfasst: 06.04.2012, 18:14 
Lateiner

Registriert: 22.03.2012, 17:23
Beiträge: 54
"Isidorus von Sevilla" meinte ich natürlich. Bitte ausbessern ! :)

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- Frei nach Alexander de Villedieu, Doctrinale V. 3f. -


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