Latein Forum

Der Treffpunkt von Lateinern im WWW.
Aktuelle Zeit: 28.06.2017, 20:22

Alle Zeiten sind UTC+01:00




Ein neues Thema erstellen  Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Cicero, Pro Archia Poeta
BeitragVerfasst: 14.04.2010, 17:55 
Lateiner

Registriert: 14.04.2010, 17:17
Beiträge: 1
1-2 Anwalt und Mandat

Wenn in mir irgendeine Begabung ist, Richter, von der ich fühle wie klein sie ist,
oder wenn in mir irgendeine Gewandtheit des Sprechens ist, von der ich nicht leugne, dass ich mich in ihr durchschnittlich aufhalte,
oder wenn irgendein Verständnis dieser Sache ist, das vom eifrigen Lernen der besten Wissenschaften ausgeht, von der ich gestehe, keine Zeit meines Lebens vernachlässigt zu haben, muss Archias Licinius von mir die Frucht (der Arbeit) all dieser Dinge beinahe zu Recht zurückfordern.
Denn, soweit mein Geist auf den Zeitraum der vergangenen Zeit zurückblicken kann und sich an die früheste Erinnerung der Kindheit erinnern kann, seitdem ich an ihn zurückdenken kann, sehe ich, dass er sich mir als Lehrer gezeigt hat, damit ich die Theorie der Studien aufnehme und beginne.
Wenn also diese Stimme, die durch dessen Ermunterung und Lehre ausgebildet worden war, manchmal einigen Rettung gebracht hat, dann müssen wir demjenigen, von dem wir es erhalten haben, wodurch wir anderen beistehen und retten konnten, Hilfe und Rettung bringen, so viel wir in der Lage sind.

Und damit nicht irgendjemand zufällig sich wundert, was von uns so gesagt wird, weil irgendeine andere Fähigkeit der Begabung in ihm ist aber nicht diese Theorie und Praxis des Redens, nicht einmal wir haben uns jemals ganz diesem einem Studium gewidmet. Denn alle haben Fertigkeiten, die zur Bildung gehören, ein gewisses gemeinsames Band und gleichsam eine gewisse Verwandtschaft unter sich.

4b-6a Archias‘ Ankunft in Italien

Denn sobald Archias den Kinderschuhen entwachsen war und von den Künsten, von denen ein Knabe ursprünglich (zur Bildung) ausgebildet wird, sich zur Schriftstellerei begeben hat, zuerst in Antiochia (denn dort ist er als Sohn einer vornehmen Familie geboren), eine einst viel bevölkerte und wohlhabende Stadt, die reich an sehr gebildeten Menschen und freien Künsten war, gelang es ihm schnell alle am Ruhm der Begabung zu übertreffen.
Später wurde in den übrigen Teilen Asiens und in ganz Griechenland seine Ankunft so gefeiert, dass die Erwartung der Menschen das Gerücht der Begabung übertraf, die Ankunft und Bewunderung von ihm selbst übertraf die Erwartung.
(Süd-)Italien war damals voll von den griechischen Künsten und Lehren. Und diese Studien wurden auch damals in Latium stärker verehrt als heute in denselben Städten und in Rom wurden diese Studien wegen ruhiger politischer Verhältnisse nicht vernachlässigt. Daher beschenkten sowohl die Tarentiner als auch die Reginer als auch die Neapolitaner diesen mit dem Bürgerrecht und anderen Belohnungen. Und alle, die irgendwas über die Begabungen beurteilen konnten, hielten die Bekanntschaft und Gastfreundschaft für würdig. Weil er einer so großen Berühmtheit schon in weiter Ferne bekannt war, kam er nach Rom, als Marius und Catul Konsuln waren. Diejenigen Konsuln traf er zuerst an, von denen der eine beachtenswerte Dinge zum Schreiben, der andere sowohl Taten als auch Eifer und Aufmerksamkeit bieten konnte.
Sofort nahmen die Luculli, weil Archias damals noch so jung war, in ihr Haus auf.
Aber dies war nicht nur ein Zeichen von seiner Begabung und Schreibkunst, sondern auch von seiner Natur und Leistung, dass dasselbe Haus, welches das erste seiner Jugend war, auch im Alter das vertrauteste ist.

6 Der Dichter und die Highsociety

Archias war zu jenen Zeiten beleibt bei jenem berühmten Metellus Numidicus und seinem Sohn Pius;
Er wurde gehört von Marcus Aemilius; er verbrachte Zeit mit Quintus Catul sowohl dem Vater als auch dem Sohn; er wurde verehrt von Lucius Crassus. Weil er sich aber aus Gewohnheit mit den Lucullern und Drusus und den Octaviern und Cato und dem ganzen Haus der Hortensier verbunden hielt, wurde er sehr stark geehrt, weil diese ihn nicht nur verehrten, die sich bemühten irgendwas zu erfassen und zu lernen, sondern die auch irgendwas vorheuchelten.

6b-8 Bürger und Bürgerrecht

Nach einem ziemlich langen Zeitraum, als er mit Marcus Lucullus nach Sizilien aufbrach und als er diese Provinz mit demselben Lucullus verlassen hat, kam er nach Heraklea. Weil diese Gemeinde ein Bündnisvertrag mit völliger Rechtsgleichheit hatte, wollte er sich in dieser Gemeinde einschreiben lassen. Und dieses, weil er an sich selbst für würdig gehalten wurde, setzte er besonders durch die Autorität und Dank Lucullus bei den Heracliensern durch.
Wenn wir über nichts anderes außer über das Bürgerrecht und das Gesetz reden, sage ich nichts mehr: Der Fall ist dargelegt. Was nämlich von diesen Argumenten kann widerlegt werden, Grattius? Wirst du verneinen, dass er damals in Heraklea eingeschrieben wurde?
Der Mann Marcus Lucullus, von höchstem Ansehen, Gewissenhaftigkeit und Vertrauenswürdigkeit, ist da, der sagt nicht zu glauben, sondern zu wissen, nicht gehört zu haben, sondern gesehen zu haben, nicht dabei gewesen zu sein, sondern den Anstoß gegeben zu haben.
Es sind herakliensische Gesandte da, sehr adlige Menschen. Sie, die bestätigten, dass er als Heraklienser eingetragen worden ist, kamen wegen dessen Gerichtsverhandlung mit Aufträgen und mit einem amtlichen Zeugnis. Du wünschst dir hier die Bürgerlisten der Heraklienser, von denen wir alle wissen, dass sie im Italischen Krieg untergegangen sind, weil das Archiv gebrannt hatte.
Es ist lächerlich,
nicht das zu sagen, was wir haben, und nach dem zu fragen, was wir nicht haben, und über die Erinnerung der Menschen zu schweigen,
schriftliche Nachweise dringend zu verlangen
und, obwohl du den Eid sehr bedeutender Männer hast und den Schwur und die Zuverlässigkeit einer ehrlichen Stadt,
das, was in keiner Weise verdreht werden kann, zurückzuweisen,
und Listen zu begehren, die, wie du selbst sagst, gewöhnlich gefälscht werden.

12 Cicero‘s Bildung


Du willst wissen, Grattius, warum wir von diesem Menschen so sehr angezogen werden. Weil er uns viel gibt, wo sowohl der Geist sich von diesem Lärm des Forums erholen kann, als auch die vom Gerichtsstreit erschöpften Ohren zur Ruhe kommen. Erwartest du etwa, entweder dass uns zur Verfügung stehen kann, was wir täglich sagen, in so großer Vielfalt der Sachen wenn wir unsere Geister nicht mit der Lehre verfeinern, oder die Geister die Anspannung tragen können, wenn wir sie nicht in derselben Lehre entspannen? Ich aber gestehe, dass ich auf diese Beschäftigungen bedacht war. Andere würden sich schämen, wenn sie sich so in Literatur verbeißen, so dass nichts von ihnen entweder zum öffentlichen Ertrag beigetragen werden kann oder ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden kann.

13 Cicero’s Bildung


Wer sollte mich deshalb denn tadeln oder wer sollte von mir mit Recht aufgebracht sein, wenn ich mir so viel Zeit genommen haben werde, um mich den Studien wieder zu widmen, wie andere für das Erledigen ihrer Aufgaben, (wie) für das Feiern der Festtage der Spiele, (wie) für andere Vergnügen und für die Ruhe des Geistes und des Körpers selbst gestattet wird, so viel Zeit, wie andere üppigen Gelagen zuteilen, wie dem Würfel- oder dem Ballspiel.
Und ich muss dies umso mehr gestehen, dass aus diesen Studien auch diese Fähigkeit eine Rede zu halten wächst, die- wie groß auch immer sie in mir ist- niemals bei Problemen der Freunde gefehlt hat. Wenn dies auch irgendjemandem ziemlich unbedeutend erscheint, ich weiß aus welcher Quelle ich gewiss jene höchsten moralischen Werte schöpfen kann.

15 Cicero’s Bildung


Es mag irgendjemand fragen: Was? Jene großartigen Männer selbst, deren Leistungen in alten Schriften überliefert worden sind, waren in diesen Lehren, die du mit Lob hervorhebst, ausgebildet worden? Aber es ist dennoch sicher, was ich antworte, dass es schwierig dies von allen zu behaupten. Ich gestehe, dass viele Menschen mit hervorragendem Mut und Tapferkeit ohne diese Bildung gewesen sind und mit einer beinahe göttlichen Naturanlage selbst durch sich selbst sowohl besonnen als auch charakterfest geworden sind. Ich füge jenes hinzu: öfter hatte die Naturanlage ohne Lehre zu Lob und Tapferkeit beigetragen als die Lehre ohne die Naturanlage. Und deshalb behaupte ich dieses: wenn eine gewisse methodische Gestaltung der wissenschaftlichen Bildung zur außerordentlichen und bedeutenden Natur herangekommen ist, dann entsteht gewöhnlich jenes irgendwie Groß- und Einzigartige.


Nach oben
   
 Betreff des Beitrags: Re: Cicero, Pro Archia Poeta
BeitragVerfasst: 28.04.2010, 20:12 
Lateiner
Benutzeravatar

Registriert: 25.06.2003, 13:27
Beiträge: 301
Aufgenommen!


Nach oben
   
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen  Auf das Thema antworten  [ 2 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC+01:00


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Limited
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de