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Platon_ Bestimmung der Seelenanteile..bzw. des Standes
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Seite 1 von 1

Autor:  mox [ 08.06.2015, 17:12 ]
Betreff des Beitrags:  Platon_ Bestimmung der Seelenanteile..bzw. des Standes

Hallo liebe Lateiner..
Ich bin total verwirrt.. Wie wird laut Platons Staatstheorie nun bestimmt wer in welchen Stand kommt?
Passiert das über die Geburt bzw. das Erbrecht oder werden alle in Kinder in eine Art Schule gesteckt in der sie von Erziehern erzogen werden, die dann in einem "Aussiebungsverfahren" im Bildungsprozess den Stand bestimmen ?? :?

Bitte um Hilfe .. Obwohl Platon ein Grieche war..

LG

Autor:  Elpenor [ 28.06.2015, 19:38 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Platon_ Bestimmung der Seelenanteile..bzw. des Standes

Hallo mox,

ich hoffe, ich bin nicht zu spät. Auch kann ich deine Frage nicht komplett beantworten, aber ich habe einen kleinen Hinweis, der Dir vielleicht weiterhelfen kann:

Das Erbrecht kannst Du schon einmal ausschließen: Platon hatte vor, das herkömmliche Modell der Familie stark zu verändern. Kinder sollten von allen gemeinsam großgezogen werden, um eine bessere Polisgemeinschaft zu erhalten. Außerdem schreibt Platon:

Noch geringer als dies, versetzte ich, ist das Folgende, dessen wir schon im Früheren gedacht haben, indem wir sagten, dass, wenn ein Sohn der Wächter schlecht gerate, man ihn unter die andern versetzen müsse, und ebenso wenn einer der übrigen tüchtig, diesen unter die Wächter. Dies wollte andeuten, dass man auch die übrigen Bürger jeden zu dem Geschäfte, zu dem er geschaffen ist, verwenden müsse, damit jeder, wenn er das eine treibt, was sein ist, nicht zu vielen, sondern einer werde und so das gesamte Gemeinwesen eines sei, aber nicht viele. (Platon, Politeia 423 c-d).

Das heißt, die Kinder können auf jeden Fall einen anderen Beruf ausüben als ihre Eltern.

Nun zum Ausleseprozess: Ich weiß nicht, ob dieser irgendwo in der Politeia genauer beschrieben wird. Aus logischen Gesichtspunkten scheint es mir am ehesten möglich, dass entweder die Personen von selbst merken, dass ihnen eine Tätigkeit besonders gut liegt (denn derjenige, der einen bestimmten Beruf ausübt, hat nach Platon per definitionem keine Ahnung von den Berufen anderer Leute, schöner formuliert: er geht nicht über seinen Teil hinaus, begeht also keine Pleonexie), oder der Philosophenherrscher, der ja als einziger imstande ist, alles zu überblicken, teilt die Mitglieder des Staates gewissen Berufen zu, da diese einfach zu beschränkt sind, die Lage richtig einzuschätzen.

Zum Schluss sei nochmals darauf hingewiesen, dass es sich gerade beim zweiten Teil meiner Antwort um bloße Mutmaßungen handelt.

LG

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Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

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